Funktionelle Medizin & Neurobiologie der Depression
Die Diagnose Depression ist eine Einordnung. Sie beschreibt einen Zustand, sie erklärt ihn nicht. Wer mit dieser Diagnose in meine Praxis kommt, hat kein Verständnis für den eigenen Körper bekommen — sondern ein Etikett. Meine Arbeit setzt dort an, wo ärztliche Differenzierung üblicherweise endet: bei den biochemischen, neuro-immunologischen und endokrinen Konstellationen, die unter dem Begriff Depression zusammengefasst werden. Die Reset5-Methode ist das System, mit dem ich diese Konstellationen sichtbar mache und gezielt reguliere.
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Depression ist deskriptiv, nicht kausal
Die ICD-Klassifikation beschreibt ein Symptomcluster: depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, Schlafstörung, Konzentrationsabbau, manchmal Schmerz, manchmal Schwere. Sie sagt, dass diese Symptome zusammen auftreten. Sie sagt nicht, warum. Damit ist die Diagnose ein notwendiger erster Einordnungsschritt — aber kein therapeutischer Wegweiser. Sie sollte Ausgangspunkt der Differenzierung sein, nicht ihr Ergebnis.
In meiner Arbeit sehe ich seit über zehn Jahren, dass hinter dem gleichen klinischen Bild fundamental unterschiedliche biochemische Konstellationen stecken. Eine Patientin mit chronischem Stress und einem dysregulierten Cortisol-Tagesprofil braucht etwas anderes als jemand mit stiller Neuroinflammation nach durchgemachter Viruserkrankung — auch wenn beide dieselbe Diagnose tragen.
Wichtig: Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Wer suizidale Gedanken oder eine ausgeprägte Symptomatik hat, gehört in ärztliche oder psychiatrische Akutversorgung. Die funktionelle Arbeit findet parallel oder im Anschluss statt — nie anstelle einer notwendigen Akutbehandlung.
Vier Konstellationen, die ich am häufigsten sehe
In über zehn Jahren therapeutischer und regulatorischer Arbeit haben sich vier Bilder herauskristallisiert, die in der Praxis besonders häufig unter dem Label „Depression" auftreten. Sie unterscheiden sich biologisch fundamental — und brauchen entsprechend unterschiedliche therapeutische Wege.
Konstellation 1 — Das stress-erschöpfte System
HPA-Achsen-Konstellation. Patientinnen und Patienten dieser Gruppe haben oft jahrelang funktioniert, bis es nicht mehr ging — Burnout im klinischen Sinn. Im Labor zeigen sich ein flaches oder dysreguliertes Cortisol-Tagesprofil, Mikronährstoffe (Vitamin D, Magnesium, Omega-3) im Defizit, Verschiebungen in der Säurelage von Magen und Darm, Enzymbildungsprobleme der Bauchspeicheldrüse, Hinweise auf Leberbelastung. Das System ist nicht krank im klassischen Sinn — es ist leergebrannt.
Konstellation 2 — Die inflammatorische Subgruppe
Stille Entzündung mit erhöhten Zytokinen (TNF-α, IL-6, hsCRP), häufig begleitet von wandernden Schmerzen ohne klare orthopädische oder rheumatologische Diagnose. Wenn sich die Schmerzen nicht erklären lassen, wird oft „psychogen" eingeordnet. Tatsächlich liegt eine messbare Entzündungslage vor, die das zentrale Nervensystem mitbetrifft — Neuroinflammation, die sich als Antriebslosigkeit, Schwere und kognitive Trübung äußert. Die Darm-Hirn spielt bei dieser Konstellation häufig eine zentrale Rolle.
Konstellation 3 — Hypothyreote Konstellation mit Mikronährstoffdefizit
TSH im oberen Normbereich, fT3 und fT4 grenzwertig, Ferritin niedrig, Vitamin D unterversorgt, Holotranscobalamin und Folsäure im unteren Bereich. Antrieb und Stimmung sinken, ohne dass eine klassische Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert wird. Häufig wird die Subklinik schlicht übersehen — oder die Werte werden als „noch normal" eingestuft, obwohl sie für diese Person nicht funktional ausreichend sind. Die Verbindung zu chronischer Fatigue und hochfunktionaler Depression ist in dieser Gruppe besonders ausgeprägt.
Konstellation 4 — Die postvirale, mitochondriale Form
Seit Covid-19 ist diese Konstellation deutlich häufiger in der Praxis — aber sie existierte vorher bereits, ausgelöst durch Epstein-Barr, Borrelia, CMV oder andere chronische Erreger. Die Symptomatik wird selten als eigenständige Diagnose anerkannt, daher häufig als „psychisch" oder „depressiv" eingeordnet. Messbar zeigen sich Spike-Protein-Belastungen, Aminosäuredefizite, Hinweise auf mitochondriale Dysfunktion, oxidativer und nitrosativer Stress, Lipidperoxidation. Diese Patientinnen und Patienten brauchen einen anderen therapeutischen Weg als jemand mit stressbedingter Erschöpfung — auch wenn die Außensymptomatik fast identisch wirkt.
Mehr zu Long-Covid → · Mehr zu Fatigue →
Wie Differenzierung praktisch aussieht
Statt ein Symptom zu dämpfen, frage ich: Welches System trägt nicht mehr? Die diagnostische Erstuntersuchung umfasst in der Regel:
- Mikronährstoff- und Vitaminstatus
- Mikrobiom-Diagnostik mit Calprotectin, Zonulin, alpha1-Antitrypsin, Zytokinen im Stuhl, sIgA, Histamin, Bakterienstatus, Pathogen- und Hefebelastungen
- Neurotransmitterstatus im Urin
- Cortisol-Tagesprofil
- Ferritin, Schilddrüse (TSH, fT3, fT4, TPO-Ak), Nüchterninsulin, Nüchternglukose
- Schwermetall-Screening
- Genetische Polymorphismen (MTHFR, COMT, MAO) bei entsprechendem Verdacht
Aus diesem Befundbild ergibt sich das individuelle Regulationsprogramm. Kein Protokoll, das für alle gleich ist — sondern eine Konstellation, die zu dieser Person passt.
Reset5 — vom Befund zur Regulation
Die Reset5-Methode ist das diagnostische und therapeutische System, mit dem ich arbeite. Sie fasst die fünf biologischen Regulationsachsen zusammen, die bei depressiven Konstellationen am häufigsten betroffen sind:
- Darm-Hirn — Mikrobiom, Barrierefunktion, enterales Nervensystem
- Energie — Mitochondrienfunktion, ATP-Produktion, Sauerstoffverwertung
- Hormone — HPA-Achse, Schilddrüse, Neurotransmitterbalance
- Entzündung — Leber-Phase-I/II, Methylierung, Schwermetall-Elimination
- Regulation — autonomes Nervensystem, Herzratenvariabilität, Schlaf-Wach-Rhythmus
Der Reset5-Systemcheck zeigt, welche dieser Achsen in deinem System aktuell am stärksten unter Druck stehen. Das ist der Ausgangspunkt — nicht die Diagnose, die du mitbringst.
Weiterführende Themen
Themen, in denen sich die vier Konstellationen typischerweise zeigen — als ausgewählte Symptome, Beschwerdebilder oder Mechanismen:
Wenn du nach allem, was du hier gelesen hast, herausfinden willst, welche Regulationsachse in deinem System gerade trägt — und welcher Weg in deine Stabilisierung führt — kannst du den Reset5-Check machen. In nur 5 Minuten erfährst du, wo du im Moment stehst.
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